Am 17. Juni 2026 durfte ich erneut eine Gastvorlesung an der Karl-Franzens-Universität Graz halten. Die Vorlesung fand im Rahmen der Lehrveranstaltung „Ist der Brandschutz ein Stiefkind?“ statt, die seit vielen Jahren von Dr. Otto Widetschek geleitet wird.
Die Lehrveranstaltung verfolgt ein klares Ziel: Das Bewusstsein für Brandschutz zu stärken und Studierenden unterschiedlichster Fachrichtungen die Bedeutung eines wirksamen vorbeugenden Brandschutzes näherzubringen. Der provokante Titel soll dabei bewusst zum Nachdenken anregen. Denn obwohl Brandschutz für den Schutz von Menschenleben, Sachwerten und den Fortbestand von Unternehmen von entscheidender Bedeutung ist, wird er in der Praxis noch immer häufig erst dann wahrgenommen, wenn bereits Probleme auftreten oder behördliche Auflagen umgesetzt werden müssen.
Brandschutz ist weit mehr als Technik
Viele Menschen verbinden Brandschutz in erster Linie mit Feuerlöschern, Brandmeldeanlagen oder Fluchtwegkennzeichnungen. Diese technischen Einrichtungen sind zweifellos wichtige Bestandteile eines funktionierenden Sicherheitskonzepts. Sie allein garantieren jedoch noch keinen wirksamen Brandschutz.
In meiner Gastvorlesung zum Thema Brandschutzmanagement stand daher ein anderer Aspekt im Mittelpunkt: die Organisation des betrieblichen Brandschutzes. Aus meiner langjährigen Erfahrung in der Beratung von Unternehmen, Hotels, Industrie- und Gewerbebetrieben weiß ich, dass die größten Herausforderungen oft nicht technischer Natur sind. Vielmehr entscheidet die Organisation darüber, ob Brandschutzmaßnahmen im Ernstfall tatsächlich funktionieren.
Ein Unternehmen kann über modernste Brandschutztechnik verfügen. Wenn jedoch Verantwortlichkeiten unklar sind, Mitarbeitende nicht ausreichend geschult werden oder wichtige Prozesse fehlen, entstehen Sicherheitslücken, die erhebliche Auswirkungen haben können.
Was gutes Brandschutzmanagement auszeichnet
Ein professionelles Brandschutzmanagement schafft die Voraussetzungen dafür, dass Brandschutz nicht nur auf dem Papier existiert, sondern im Unternehmensalltag gelebt wird.
Im Rahmen der Vorlesung wurden unter anderem folgende Themen behandelt:
- Aufbau einer wirksamen Brandschutzorganisation
- Verantwortlichkeiten und Aufgaben im betrieblichen Brandschutz
- Dokumentation und NachweisführungSchulungs- und Unterweisungskonzepte
- Durchführung von Eigenkontrollen
- Kontinuierliche Verbesserung von Sicherheitsstandards
- Zusammenarbeit mit Behörden und Einsatzorganisationen
- Integration des Brandschutzes in bestehende Managementsysteme
Besonders wichtig ist dabei die Erkenntnis, dass Brandschutz kein einmaliges Projekt ist. Vielmehr handelt es sich um einen kontinuierlichen Prozess, der regelmäßig überprüft und weiterentwickelt werden muss.
Das Brandschutzgütezeichen als Qualitätsnachweis
Ein weiterer Schwerpunkt meiner Gastvorlesung war das Brandschutzgütezeichen der ÖQA.
Das Brandschutzgütezeichen wurde entwickelt, um Unternehmen auszuzeichnen, die ihren Brandschutz systematisch organisieren und nachweislich hohe Qualitätsstandards erfüllen. Es dient als sichtbarer Nachweis dafür, dass Brandschutz nicht nur als gesetzliche Verpflichtung betrachtet wird, sondern als integraler Bestandteil verantwortungsvoller Unternehmensführung.
Als Entwickler des Brandschutzgütezeichens ist es mir ein besonderes Anliegen, die dahinterstehenden Grundsätze an Studierende und zukünftige Führungskräfte weiterzugeben. Denn nachhaltiger Brandschutz entsteht nicht durch einzelne Maßnahmen, sondern durch ein Gesamtsystem aus Organisation, Verantwortung, Bewusstsein und kontinuierlicher Verbesserung.
Theorie trifft Praxis
Ein wesentlicher Erfolgsfaktor der Lehrveranstaltung „Ist der Brandschutz ein Stiefkind?“ liegt in ihrer starken Praxisorientierung.
Neben den theoretischen Grundlagen erhalten die Studierenden Einblicke in reale Herausforderungen aus Unternehmen und Organisationen. Dadurch wird deutlich, dass Brandschutz weit mehr ist als die Einhaltung von Vorschriften. Er ist ein wichtiger Bestandteil des Risikomanagements und trägt wesentlich zur Sicherheit von Menschen sowie zur Zukunftsfähigkeit von Betrieben bei.
Gerade die Diskussionen mit den Studierenden zeigen jedes Jahr aufs Neue, wie groß das Interesse an praxisnahen Lösungen ist. Die Fragen reichen von organisatorischen Herausforderungen in Unternehmen über aktuelle Entwicklungen im vorbeugenden Brandschutz bis hin zu konkreten Beispielen aus der Praxis.
Wissen weitergeben und Bewusstsein schaffen
Für mich persönlich ist die jährliche Gastvorlesung an der Karl-Franzens-Universität Graz immer etwas Besonderes.
Die Möglichkeit, Erfahrungen aus der Praxis mit Studierenden zu teilen und gleichzeitig neue Sichtweisen und Fragestellungen kennenzulernen, macht diese Veranstaltung zu einem wertvollen Austausch zwischen Wissenschaft und Praxis.
Mein besonderer Dank gilt Dr. Otto Widetschek, der diese einzigartige Lehrveranstaltung seit vielen Jahren mit großem Engagement gestaltet und weiterentwickelt, sowie den Organisatoren und den vielen engagierten Studierenden. Ihr Interesse, ihre kritischen Fragen und die spannenden Diskussionen zeigen, dass Brandschutz auch in Zukunft ein wichtiges Thema bleiben wird.
Denn eines steht fest: Brandschutz ist kein Stiefkind – und sollte auch keines sein.
